Was darf ich verlernen? – Manchmal ist Verlernen das eigentliche Lernziel.

Vor zwei Jahren wurde mir in der Weiterbildung zur Mediatorin eine Frage gestellt, an der ich hängen geblieben bin: „Was möchtest du hier verlernen?“

Damit hatte ich nicht gerechnet. Meine Antwort damals: Ich musste mir abgewöhnen, in der Mediation automatisch so zu arbeiten, wie ich es aus dem vertrauten Coaching gewohnt war.

Die Frage gehört seither fest auch zu meinem Repertoire und ich nehme sie gerne mit in Workshops.

Denn Entwicklung bedeutet nicht immer, etwas dazuzulernen. Manchmal heißt Entwicklung, etwas nicht mehr zu tun. Das gilt auch für Teams und Organisationen. Sie lernen über Jahre, wie man die Dinge „hier eben macht“.

Ein Team kann zum Beispiel sehr gut darin geworden sein, jede Entscheidung gemeinsam abzusichern. Was einmal Vertrauen geschaffen hat, kann unter anderen Bedingungen anfangen, Entscheidungen zu lähmen.

Manche dieser Muster tragen noch. Andere laufen weiter, obwohl die Bedingungen längst nicht mehr dieselben sind. Es gibt diese Gewissheiten, die für unumstößlich gehalten werden. Bewusst. Oft aber auch unbewusst.

» Welche Selbstverständlichkeit müssten wir wieder zur Frage machen? «

Vielleicht brauchen wir neben Lernzielen öfter auch Verlernziele.

Statt „Was nehme ich mit aus diesem Termin?“ ist oft spannender „Was können wir hier zurücklassen?“

Lea Dingel • 21.09.2026
Lea Dingel
Ich bin Lea Dingel
und begleite Menschen, Teams und Organisationen in Veränderungsprozessen. Mich interessiert, wie Veränderung tragfähig gestaltet werden kann, ohne das Menschliche aus dem Blick zu verlieren.